Die Nashörner

Synopsis

Das absurde Theaterstück «Die Nashörner» von Eugène Ionesco, das im Jahr 1959 seine Uraufführung hatte, handelt von einer fiktiven Gesellschaft, in der sich nach und nach alle Bewohner:innen in Nashörner verwandeln. Nur eine Figur widersteht der Metamorphose: Protagonistin und tragische Antiheldin Behringer. Das Stück behandelt den Wandel einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft in ein totalitäres System. Die Gesellschaft wird zu einem aggressiven Einheitsbrei.

Dabei wird in einem zweiten Handlungsstrang auch ein lokaler Bezug zur Stadt Zug hergestellt: Denn trägt nicht auch in Zug die voranschreitende Kommerzialisierung einer Gesellschaft zum Verschwinden des Individuums bei? Die Stadt wird zur Sonderwirtschaftszone erklärt. Sämtliche Aufgaben der Regierung werden fortan von privaten Unternehmen übernommen. So überlappt die heutige Realität immer mehr mit Ionesco’s Nashörnern, bis am Ende eine zeitlose Parabel voll mitreissender Komik entsteht.

Wir laden sie ein,  lustvoll in eine dystopische Welt einzutauchen und den Spass an der Abstraktion zu finden und freuen uns sehr auf Ihren Besuch.

Ihre Zuger Spiillüüt

Fassung & Regie

Das Original „Die Nashörner“ wurde vom rumänisch-französischen Autor Eugène Ionesco geschrieben. Für unsere Inszenierung hat Regisseur Stefan Schönholzer die deutsche Version auf Schweizerdeutsch übersetzt, gekürzt und speziell für uns auch einen Zuger Bezug eingebaut. 

Wir freuen uns dieses Jahr zum ersten Mal mit Stefan Schönholzer zusammenzuarbeiten. Ausgebildet in der Hochschule der Künste in Bern bringt er mit seinem dynamischen und kreativen Stil neuen frischen Wind nach Zug. Wir freuen uns sehr mit ihm einen äusserst talentierten und umgänglichen Jungregisseur gefunden zu haben. 

Was möchte das Stück "Die Nashörner"?

Die Menschen haben selten die Kraft, dauerhaft allein dazustehen.“ (Eugène Ionesco)

Auch wenn das Stück „Die Nashörner“ des Öfteren so scheint, als wolle Ionesco an eine bestimmte Massenbewegung in der Geschichte anspielen, beispielsweise jene in Frankreich zur Zeit der Uraufführung im Jahre 1959 oder die der Nazi, erklärte Ionesco selber später sein Stück in dem Sinne, dass es nicht auf eine bestimmte Ideologie bezogen, sondern als generelle Kritik an Massenbewegungen gemeint sei.

Das Stück zeigt das Umsichgreifen von Massenwahn. Das Stück übt Kritik an sämtlichen totalitären Regimen, am Verhalten des Volkes, das widerstandslos und aus Angst vor dem Regime, als einheitliche Masse (Nashörner, welche nach vorne stürmen) folgt. Es soll auch als Denkanstoß, Verantwortung zu übernehmen, dienen, was an Behringer erkennbar ist. Denn laut Ionesco kann ein totalitäres Regime ohne Verantwortungslosigkeit nicht entstehen.

Wer war Eugène Ionesco?

Eugene Ionesco ist ein französischer Dramatiker rumänischer Herkunft, einer der Begründer des ästhetischen Weges des Absurdismus, eines anerkannten Klassikers der Theateravantgarde des 20. Jahrhunderts.

Geboren am 26. November 1909 in Slatino (Rumänien) in der Familie eines rumänischen Anwalts und einer französischen Mutter.

Sobald Eugene ein Jahr alt war, zog die Familie nach Frankreich und Französisch wurde die Muttersprache für Ionesco. Er betrachtete Frankreich immer als seine Heimat, nicht als Rumänien, im Großen und Ganzen aufgrund der unwürdigen Haltung seines Vaters, der seine Heimat verlassen hatte, und im Laufe der Jahre hat diese Wahl eine politische Färbung erhalten.

In Paris und der Provinz Ionescu lebte er bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr, musste aber bald nach Rumänien zurückkehren, da sein Vater nach der Scheidung seiner Eltern das Recht auf Kinder erhielt. Eugene absolvierte die High School, studierte an der Fakultät für Philologie an der Universität von Bukarest und erhielt die Spezialität des Übersetzers der französischen Sprache und Literatur.

Im Jahr 1936 heiratete Eugene Ionescu und zwei Jahre später erhielt er ein Stipendium für die Erstellung der Dissertation „Thema der Sünde und des Todes in der französischen Poesie“ in Frankreich. Das zweite Mal verlässt er Rumänien für immer.

Tatsächlich war wissenschaftliche Arbeit nur ein Grund für die Auswanderung, da Rumänien dem Weg der faschistischen Diktatur getrost folgte und es für den Schriftsteller zunehmend schwieriger wurde, dort zu atmen. In Frankreich kam Eugene auch nicht sofort zurecht. Er wechselt mehrere Berufe, nachdem er am längsten als Korrektor bei einem juristischen Verlag in Marseille gearbeitet hat.

1950 überholt der Ruhm Ionesco mit der Veröffentlichung seines ersten Stücks. Im Herbst 1957 erschien die Erzählung Rhinocéros, mit der Ionesco auf den seuchenhaften Ausbruch von Hurra-Patriotismus und Rassismus reagierte. Im Herbst 1958 entstand das Stück Rhinocéros (Die Nashörner), das Handlung und Personenkonstellation der gleichnamigen Erzählung leicht verändert übernahm, welches 1959 in Düsseldorf uraufgeführt wurde.

1970 wurde er zum Mitglied der Französischen Akademie gewählt. Eugene Ionesco starb am 28. März 1994 in Paris.

Entstehung der "Nashörner"

Schon im Herbst 1957 erschien eine Erzählung Ionescos mit dem Titel Rhinocéros in der literarischen Zeitschrift „Les lettres nouvelles“, mit der Ionesco auf den Ausbruch von Patriotismus und Rassismus reagierte, den Frankreich während eines Höhepunktes des Algerienkrieges (im Winter 1956/1957) erlebte.

Das Theaterstück „Rhinocéros“ hat Eugène Ionesco 1958 in drei Akten geschrieben. Während die zu Grunde liegende Novelle gerade einmal rund 20 Seiten umfasst, hat das Drama ungefähr die sechsfache Länge. Im Stück Die Nashörner wurden Handlung und Personen von der gleichnamigen Erzählung Rhinocéros übernommen und leicht verändert. Diesmal war es Ionescos Reaktion auf die Wahl Charles de Gaulles, von dem er ein eher autoritäres Regime erwartete. Das Theaterstück wurde am 6. November 1959 im Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt, da es für Frankreich zu brisant erschien, und erst im folgenden Jahr in Originalsprache in Frankreich gespielt.

Inhaltlich beschreibt Ionesco in einer fiktiven Gesellschaft eine fortschreitende Umwandlung der Personen in Nashörner, wobei dieser Prozess jedoch nur von einigen wenigen wahrgenommen wird, und die letztlich – bis auf den Protagonisten – alle erfasst. Weder Warnungen, noch deskriptive Hinweise der Hauptfiguren des Stückes können an diesem Vorgang etwas ändern; im Gegenteil – sie verschlimmern die Situation dieser Figuren noch mehr, da ihnen nicht geglaubt wird.

„Rhinocéros“, in Deutsch „Die Nashörner“, hat sich im Laufe der Zeit und inbesondere im heutigen Rückblick nach weit mehr als einem halben Jahrhundert als das zentrale und möglicherweise bedeutungsvollste Werk Eugène Ionescos etabliert.

Deutung der Personen

Alle Figuren, mit Ausnahme Behringers und des Logikers, erfüllen ein bestimmtes gesellschaftliches Schema. Als Gesamtheit stellen sie eine Art kleinen gesellschaftlichen Querschnitt dar.  In ihrem System gefangen, glauben die einzelnen Figuren, die Welt zu durchschauen. Die Absurdität ihres Denkens bleibt ihnen – allen voran dem Logiker – daher immer verschlossen.

Protagonistin:

Behringer: Sie ist eine dem Alkohol zugeneigte Angestellte und nimmt eine Gegenposition zu den anderen Figuren des Stückes ein. Sie stellt sich gegen die Nashörner.

Antagonisten:

Hans: Freund von Behringer, aber auch sein Gegenspieler. Seine Ideale sind nur Fassade und somit hat er auch kein Problem, sich der Gesellschaft hinzugeben.

Daisy: Chefsekretärin des Unternehmens, in welchem auch Behringer arbeitet. Behringer liebt sie und sie auch sie. Sie verlässt sie aber schlussendlich, weil sie die Kraft der Nashörner der Schwäche der menschlichen Liebe vorzieht.

Stech: Stellvertretender Chef des Büros, in welchen Behringer arbeitet. Sie ist eine Akademiker und übersieht die Gefahr, welche von den Nashörnern ausgeht. Sie glaubt, ein friedliches Nebeneinanderleben sei die beste Umgangsform.

Wisserin: ist ein ehemalige Lehrerin und Angestellte in dem Unternehmen, in welchem auch Behringer arbeitet. Sie glaubt, immer alles besser zu wissen und ist der Arbeiterbewegung zugehörig. Sie will „mit der Zeit gehen“.

Herr Schmetterling: Chef von Behringer. Sein einziger Gedanke gilt der Arbeit.

Logiker: Er verkörpert die Ungereimtheiten und sinnlosen Ansätze von Stech, Hans und Wisserin.

Ionesco's Theater des Absurden

Eugène Ionesco gilt als bedeutendster französischer Dramatiker der Nachkriegszeit und als ein führender Vertreter des absurden Theaters. Ionesco benutzt in seinem Werk das Absurde und das Komische, um Fakten zu verdeutlichen.

„Absurd oder vielmehr ungewöhnlich ist erst einmal das Gegebene, die Wirklichkeit. Ich bin mir darüber klar, dass ich das Wort „absurd“ für die verschiedensten Begriffe verwende. Es gibt verschiedene „absurde“ Dinge oder Umstände. Manchmal nenne ich das absurd, was ich nicht verstehe, weil ich nicht verstehen kann, oder weil die Sache wesenhaft unverständlich, undurchdringlich, verschlossen ist wie der dicke monolithische Block des Gegebenen, diese Mauer, die mir wie eine massive, verfestigte Leere vorkommt, dieser Block des Geheimnisses. Ich nenne auch meine Lage gegenüber dem Geheimnis absurd, den Zustand, dass ich mich vor einer himmelhohen Mauer befinde, die sich bis zu den Grenzen des Unendlichen, das heißt zum unbegrenzten Weltall erstreckt, und dass ich trotzdem nicht von dem verzweifelten Versuch ablassen kann, sie zu überklettern oder hin- durchzustoßen, obwohl ich weiß, dass es unmöglich ist. Dass ich diese Lebenslage nicht anerkennen kann, obwohl sie gegeben ist, das ist also absurd. Absurd nenne ich auch den Menschen, der ziellos irrt, das Vergessen des Zieles, den von seinen wesentlichen, transzendentalen Wurzeln abgeschnittenen Menschen – das ziellose Irren ist das Absurde bei Kafka.

All das ist Erlebnis des metaphysischen Absurden, des absoluten Rätsels.“

(Eugène Ionesco)

Referenzen

Für die Zusammenstellung der Informationen auf dieser Seite wurden  einzelne Textpassagen von folgenden Referenzen sowohl 1:1 übernommen als auch teilweise angepasst…

  1. Quellen:
  2. Ionescos Theater des Absurden
  3. 43562_Interpretation_zu_Ionesco_Eugène_-_Die_kahle_Saengerin_-_Die_Unterrichtsstunde_-_Die_Nashoerner

https://de.wikipedia.org/wiki/Eugene_Ionesco

  1. Wer ist Eugène Ionesco:
http://de.brieffacts.org/ezhen-ionesko-kratkaya-biografiya_default.htm

  1. Was möchte das Stück „Die Nashörner“?
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Eugene_Ionesco
Deutung der Personen
https://www.abipur.de/referate/stat/680585884.html