Wo isch d'Adele

Hier geht’s zu den TICKETS

Synopsis

Ruedi Bertolds sechzehnjährige Tochter ist nicht nach Hause gekommen. Was ist passiert? Wo ist sie? Ist sie entführt worden oder einfach abgehauen? Alles ist möglich und die Gerüchteküche beginnt zu brodeln. Ein junger Arbeitsloser klebt die Vermisstenanzeige ans Fenster der Metzgerei, Männer und Frauen aus dem Dorf durchkämmen den Wald, ein Kommissar übernimmt die Fahndung. Adeles neugierige Grossmutter erscheint bei den Eltern des verschwundenen Teenagers und wird zu einer neuen Miss Marple. Metzger und Metzgerin, eine Lehrerin, ein verträumter Gärtner und was sonst noch alles in einem Dorf an schrägen Gestalten so herumläuft, nehmen sich des Falles an. Jeder beobachtet Jeden, Jede hat ihre ganz eigene Theorie und alle werden immer mehr vom dem Schockereignis eingenommen.

In WO ISCH D‘ADELE versucht eine kleine Dorfgemeinschaft mit der Störung des Gleichgewichts fertig zu werden, die durch das Verschwinden eines Teenagers ausgelöst wird. In der Krise kehrt sich das Innen nach Aussen, die Beziehungen zwischen den Menschen werden auf die Probe gestellt, ungeahnte Energien freigesetzt, die Gemeinschaft droht zu zerbrechen.

Das Stück kommt wie eine skurile Komödie daher und ist spannend wie ein Krimi. Themen wie jugendlicher Freiheitsdrang, Ehe und Familie, Erziehung, die Frage nach dem sozialen Zusammenhalt und die Wichtigkeit der persönlichen Beziehungen werden beleuchtet.

Was würden Sie in dieser Situation tun? Getrauen Sie sich in Ihren eigenen Spiegel zu schauen?

Wir freuen uns sehr auf Ihren Besuch.

Ihre Zuger Spiillüüt

Fassung

„WO ISCH D’ADELE“ wurde vom zeitgenössischen Autor Rémi de Vos geschrieben. Die Grundlage ist ein französisches Stück mit dem Titel „Le Ravissement d’Adèle“. Für unsere Inszenierung hat unser Regisseur Yves Raeber das Original auf Schweizerdeutsch übersetzt, gekürzt und speziell für die Zuger Spiillüüt angepasst.

Was möchte "Wo isch d'Adele"?

„In meiner schriftstellerischen Arbeit geht es immer um den Kampf des sozialen Bewusstseins gegen asoziale Impulse und umgekehrt. Das Lachen ist eine mögliche Lösung“. Rémi de Vos

Rémi de Vos spricht über den modernen Menschen. Genauer gesagt von Herrn und Frau Jedermann. Er oder sie steht vor dem Problem, wie kann man gleichzeitig seine Verankerung in der Gesellschaft durch die Arbeitswelt und das Privatleben bewältigen? Da das eine oft auf das andere übergreift und umgekehrt, kämpft der moderne Mensch mit sich selbst. Es gibt keine Lösung dafür, sondern nur eine Reflexion über unsere paradoxe Haltung als Individuum und Bürger.

Niemand wird verschont

In „Wo isch d’Adele“ schlägt Rémi De Vos eine Bevölkerungsstichprobe vor. in einer kleinen, organisierten und geschlossenen Gesellschaft in allen Lebensabschnitten, von der Kindheit bis zum Ruhestand. Der gewählte Zeitpunkt ist ein Moment der Krise, in dem jeder dazu gedrängt wird sich zu offenbaren und Entscheidungen zu treffen, sowohl in seinem Privatleben als auch in der Gemeinschaft. Niemand wird verschont, Rémi de Vos deckt schonungslos die Schwächen unserer Gesellschaft auf und berichtet auf äusserst scharfe Weise über die heutige Zeit.

Adolesenz-Jugend

Adele ist 16 Jahre alt, als sie verschwindet. Dieser radikale Bruch mit ihrer Umgebung löst eine Katastrophe in ihrer Familie und im ganzen Dorf aus. Viola, ihre 15-jährige Freundin und Tochter der Lehrerin, ist als Erste betroffen. Sie beschliesst ebenfalls, mit ihrer Mutter zu brechen, indem sie versucht, Luki „einem jungen Mann, der auf der Straße unterwegs ist“, zu folgen. Doch ihr Fluchtversuch wird schnell abgebrochen, die ersten Liebesgefühle schnell unterbrochen. Viola ist in dem Alter, in dem der Wunsch nach Freiheit und Emanzipation mit der wirtschaftlichen Realität kollidiert.

Luki hingegen findet keine Arbeit, erhält aber einen Jugendarbeitsplatz. Er wird sofort vom Dorf abgelehnt, da er von ausserhalb kommt und der „es ist mir egal“ Einstellung verdächtigt wird. Rémi de Vos legt den Finger in die Wunde eines Übels unserer Gesellschaft: Welchen Platz können wir den Jugendlichen und, noch dazu, „den Ausländern“ geben?

Die alleinerziehenden Eltern

Daniela Gredig, Lehrerin und Witwe, ist alleinerziehende Mutter ihrer Tochter Viola. Sie hat panische Angst davor bei dem Gedanken, sie zu verlieren, und ihre Sorge bringt den Teenager zur Verzweiflung. Der neu hinzugekommene Kommissar verliebt sich in sie und bietet ihr auf ziemlich brutalen Weise an, den abwesenden Vater zu ersetzen. Daniela, die von Selbstzweifeln und ihren früheren Verletzungen geplagt wird, zögert, sich auf diese neue Beziehung einzulassen. Ein weiteres zeitgemässes Thema über die Rolle der Eltern und die Angst vor Bindung in der Partnerschaft.

Die Patchwork-Familie

Ruedi Bertold ist der Vater von Adele, die er mit seiner zweiten Frau Susann Bertold grosszieht. Er ist natürlich am Boden zerstört, weil seine Tochter verschwunden ist. Am schlimmsten ist jedoch die Ankunft seiner eigenen Mutter Clara Bertold, unter deren Joch er immer noch steht. Wir erleben dann eine höllische Dreiecksbeziehung zwischen der Mutter, dem Sohn und der Schwiegertochter. Ruedi wird zwischen einer überfürsorglichen Mutter und einer Ehefrau, die droht, ihn zu verlassen, hin- und hergerissen. Die beiden Frauen zerfleischen sich gegenseitig. Mit unbestreitbarem Scharfsinn beobachtet, sind diese Verhaltensweisen extrem und zum Lachen, aber man erkennt sich darin wieder!

Das Paar am Arbeitsplatz

Der Metzger und die Metzgerin haben keine Kinder und haben ihr Leben ihrer Arbeit gewidmet. Rémi de Vos hat ihnen im Stück keinen Namen gegeben, so sehr sind sie mit ihrer Funktion identifiziert. Die Kommunikation innerhalb des Paares verschlechtert sich jedoch. Die Metzgerin träumt von einem Leben ausserhalb der Metzgerei, von Freizeit und Selbstverwirklichung. Ihr Mann, der dem Klischee des ungeschlachten, selbstbezogenen Metzgers entspricht, versteht sie überhaupt nicht. Der Autor spricht hier ein gesellschaftliches Thema an: das der Identifikation mit der Arbeitswelt. Die Schwierigkeit besteht darin, die eigene Identität und die eigenen Wünsche nicht aus den Augen zu verlieren.

Die neuen Rentner

Werner Spiess ist seit kurzem im Ruhestand. Er findet sich zu Hause wieder, im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte, aber völlig untätig. Er lässt seine verbalen Aggressionen an seiner Frau Agatha aus, dem Prototyp der Hausfrau alten Stils, die sich über ihre schwindende Kaufkraft beschwert. „Es ist nicht das Fleisch, das zu teuer ist“, sagt ihr der Metzger, „es sind die Renten, die nicht hoch genug sind.“ Der durch die Arbeit gewonnene Lebensraum fehlt, die Unsicherheit macht sich breit. Um diesen Mangel auszugleichen, beginnt der neue Rentner, abstruse Geschichten zu erfinden, die seine Frau schockieren und Zweifel im Dorf säen. Obwohl er säuerlich und unausstehlich ist, weckt Werner Spiess unsere Sympathie. Seine Ächtung durch die Gesellschaft ist der Grund für seinen schwindelerregenden Fall und den Verlust seiner Identität. Rémi de Vos wirft hier einen Blick auf eine der schwierigsten Kurven des Lebens, die es zu bewältigen gibt.


Das Leben ein verzettelter Mikrokosmos

Das Dorf ist ein sklerotischer Kern, aus dem man nicht so leicht herauskommt und in den man nicht eindringen kann. Diese organisierte Mikrogesellschaft hat ihr eigenes internes Gesetz und duldet keinen Kommissar, der nicht aus dem Dorf kommt und das offizielle Gesetz vertritt. „Ich habe Schwierigkeiten, die Leute hier zu verstehen“, beschwert er sich bei seiner Cheffin, der Kommissarin. In jedem Bürger schlummert ein Polizist, könnte man sagen. Anstatt sich selbst in Frage zu stellen, wird nach Sündenböcken gesucht.

Das Überleben dieses Mikrokosmos beruht scheinbar auf dieser Abschottung und Intoleranz. Das erinnert an die aktuellen Trends in unseren traditionalistischen Gesellschaften und an die Slogans mancher politischer Parteien. Doch als Adele aus dieser dörflichen Festung ausbricht, bringt sie das Gleichgewicht durcheinander und erschüttert Gewissheiten. Ohne eine voreilige Schlussfolgerung zu ziehen, könnte Adele für unsere Fähigkeit stehen, uns selbst in Frage zu stellen. Indem sie einen Schritt zurücktritt, hält sie einen Spiegel vor, der die Schwächen eines jeden, seine Feigheiten und Ängste, sowohl in der eigenen Privatsphäre als auch in der Gemeinschaft aufzeigt.


Fazit

Rémi de Vos enthüllt auf krasse Weise die Missstände unserer Gesellschaft, aber er setzt sich mit grosser Sensibilität mit dem Menschen auseinander. Er erarbeitet kein Theater der Wahrheiten, sondern ein Theater des Intimen, das sehr stark vom dem Unbewussten spricht und Fragen aufwirft. So bleibt Rémi De Vos seinen Prinzipien treu, er will keine Botschaften überbringen und stellt Fragen, ohne sie zu beantworten, „sonst ist es eine These„, sagt er. Das Theater ist für ihn „der Ort, an dem man sich mit Worten auseinandersetzt, um auf anregende Weise dem Ursprung des Unbehagens auf die Spur zu kommen“. Es gibt also keine Moral in dieser Geschichte, sondern die Hoffnung, dass ein Gedanke auf dem Weg ist. Denn die Stärke des Theaters besteht darin, dieses Denken in Echtzeit zu ermöglichen und Fragen zu stellen, während es gleichzeitig unterhält. Oder wie Rémi De Vos sagt: „Komik ist ein Mittel, um sich von etwas zu befreien, das nicht lustig ist“.

Wer ist Rémi de Vos?

Rémi De Vos wurde 1963 in Dünkirchen in Nordfrankreich geboren. Nach dem Abitur ging er nach Paris und nahm Schauspielunterricht, während er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt: Hausmeister, Lagerarbeiter, Hotelrezeptionist, Theateröffner, Kellner, Internatsaufseher, Metallarbeiter, Maurer, Fotoassistent, Schauspieler, Rettungssanitäter, Maler, Bankangestellter, Haustürverkäufer, Bürojunge, Möbelpacker…

Dieser frühe und vielfältige Einblick in die Arbeitswelt wird die Themen seiner Stücke prägen. Da er als Schauspieler nicht den erhofften Erfolg hatte, begann er 1994 mit dem Schreiben, zunächst von kleinen Dialogen für Theaterworkshops. 2008 schrieb er „Le Ravissement d’Adèle“ für das Théâtre du Peuple de Bussang.

Rémi De Vos reist viel. Seine Stücke werden in Belgien, Québec, Spanien, Griechenland, Südamerika und Japan aufgeführt und in mehrere Sprachen übersetzt. Rémi De Vos nimmt an Schreibaufenthalten teil und leitet regelmäßig Schreibworkshops in Frankreich und im Ausland.

Rémi De Vos ist Autor von etwa zwanzig Stücken, die herausgegeben, uraufgeführt und in etwa fünfzehn Sprachen übersetzt wurden, und kümmert sich nicht um Trends. Sein Theater durchleuchtet die soziale und politische Realität mit Humor, Komik und Absurdität. Seine prägnante und durchschlagende Schreibweise greift Klischees, Tabus und politische Korrektheit an und sorgt für grosses Gelächter.

Referenzen

Für die Zusammenstellung der Informationen auf dieser Seite wurden  einzelne Textpassagen von folgenden Referenzen sowohl 1:1 übernommen als auch teilweise angepasst…

  1. Quellen:
  2. Synopsis
  3. http://polier.grutli.ch/app/webroot/upload_documents/DDP_LE-RAVISSEMENT-D-ADELE.pdf
  4. https://www.actes-sud.fr/catalogue/theatre-arts-du-spectacle/le-ravissement-dadele

 

  1. Wer ist Rémi de Vos:
http://polier.grutli.ch/app/webroot/upload_documents/DDP_LE-RAVISSEMENT-D-ADELE.pdf
https://www.theatredurondpoint.fr/artiste/remi-de-vos/

  1. Was möchte „Wo isch d’Adele“?
http://polier.grutli.ch/app/webroot/upload_documents/DDP_LE-RAVISSEMENT-D-ADELE.pdf
https://www.checy.fr/agenda/le-ravissement-dad%C3%A8le/